a&u - Berater in Personalfragen 
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Personenfreizügigkeit mit Fokus auf qualifizierte Arbeitnehmende
Wohlstandsbremse oder Erfolgsfaktor für den Wirtschaftsstandort Schweiz?
Eine differenzierte Betrachtung vor dem Hintergrund, dass durch die Vernetzung der Volkswirtschaften auch die wirtschaftlich erfolgreiche Schweiz stark von externen Faktoren abhängig ist.
Das Gefühl der beruflichen und sozialen Ungewissheit breitet sich in der Schweiz vermehrt aus. Gründe dafür sind unter anderem die Finanzkrise sowie, als Folge davon, ein rückläufiges Wirtschaftswachstum. Vermeintlich sichere Stellen, gerade auch im qualifizierten Bereich, werden aus Kostengründen abgebaut. Stellensuchende und neue Marktteilnehmende haben es teilweise schwer, innerhalb nützlicher Frist ein passendes berufliches Engagement zu finden.
Realität
Auch im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld können bei weitem nicht alle qualifizierten offenen Stellen (nicht nur im Gesundheitswesen und in der Hotellerie/Gastronomie) mit entsprechend gut ausgebildeten und erfahrenen Fachspezialisten oder Führungskräften besetzt werden, die ihre Wurzeln in der Schweiz haben. Um sich langfristig in der globalen Wirtschaft erfolgreich behaupten zu können, benötigt die Schweiz als Wissensgesellschaft die besten Köpfe in Forschung und Entwicklung, in der Produktion von hochwertigen Gütern sowie in der Finanzdienstleistung.
Bevorzugung von Arbeitnehmenden, die sich bereits in der Schweiz befinden
Arbeitgeber streben im Rahmen von qualifizierten Stellenbesetzungen zwangsläufig immer die bestmögliche Lösung an, was jedoch nicht gleichbedeutend mit der finanziell günstigsten Lösung ist. Wettbewerb, Leistungs- und Kostendruck lassen wenig Spielraum für Kompromisse im Zusammenhang mit dem Anforderungsprofil. Die Fehlbesetzung einer anspruchsvollen Vakanz mit hohem Wertschöpfungscharakter verursacht viel Aufwand und ist teuer. Nicht selten muss die Suche in Ermangelung an passenden und/oder wechselbereiten Kandidaten, die sich bereits in der Schweiz befinden, auf das nahe Ausland ausgedehnt werden. Dabei ist Deutschland bedingt durch das Bildungswesen und den Sprachvorteil ein ideales Herkunftsland. Aber auch in Deutschland gibt es für viele der in der Schweiz gesuchten qualifizierten Arbeitnehmenden einen Markt. Die in Frage kommenden Kandidaten sitzen nicht auf gepackten Koffern und müssen teilweise zuerst davon überzeugt werden, ihr vertrautes soziales Umfeld zu verlassen. Man muss das Thema Lohndumping auch vor diesem Hintergrund sehen. Wechselwillige Arbeitnehmende sind normalerweise in Bezug auf ihren finanziellen Marktwert gut informiert und lassen sich nicht übervorteilen. In meiner über zwanzigjährigen Tätigkeit als Personalberater ist mir noch nie ein Arbeitnehmender begegnet, der bereit war, sich "unter seinem Marktwert zu verkaufen". Die Gefahr von Lohndumping besteht eher bei weniger qualifizierten Tätigkeiten.
Arbeitslosigkeit
Im Vergleich zu den Nachbarstaaten weist die Schweiz eine eher niedrige Arbeitslosigkeit auf und der Standort Schweiz zeichnet sich bis jetzt durch einen liberalen, kompetitiven Arbeitsmarkt aus. Dazu gehören aber auch wirksame Regulatorien wie Schutz vor Kündigungsmissbrauch und Lohndumping. Die Effizienz im Schweizer Arbeitsmarkt hat während der letzten Jahre gut funktioniert und war nebst sozialer und politischer Stabilität massgebend für die Schaffung neuer Arbeitsplätze und somit für den wirtschaftlichen Erfolg verantwortlich. Abwehrreflexe aus kurzfristigen populistischen Ueberlegungen heraus erzielen zwangsläufig eine langfristig negative Aussenwirkung. Unternehmen, welche die Schweiz als neuen Standort in Betracht ziehen sowie zuwanderungswillige Wissensträger und Fachspezialisten werden abgeschreckt. Die jetzt aufflammende Angst vor der Zuwanderung von (zu vielen) ausländischen Arbeitskräften bzw. die angedrohte Aufkündigung der Personenfreizügigkeit kann durchaus negative Auswirkungen auf die längerfristige Strategie von global tätigen Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz haben (z. B. Life Science in der Nordwestschweiz).
Bezug von Arbeitslosenunterstützung
Der grösste Teil der in der Schweiz tätigen ausländischen Arbeitnehmenden arbeitet nicht in der Schweiz, um vom gut ausgebauten Sozialsystem zu profitieren, sondern aus legitimen beruflichen und/oder privaten Gründen. Dies schützt die ausländischen Arbeitnehmenden aber nicht vor unverschuldeter Arbeitslosigkeit. Aufgrund der im Ausland und in der Schweiz einbezahlten Beiträge an die Erwerbslosenversicherung (in der Summe gesehen ein nicht unwesentlicher Anteil), haben die ausländischen Arbeitnehmenden Anspruch auf eine von klar definierten Faktoren abhängige Unterstützung. Damit jemand aus der Schweizer Arbeitslosenversicherung Leistungen beziehen kann, muss er zwingend in der Schweiz gearbeitet und Beiträge geleistet haben. Rechtsmissbräuchlich wäre es, wenn jemand eine Stelle antreten, und diese nach kurzer Zeit gleich wieder verlassen würde, nur um so Arbeitslosengeld zu beziehen.
Konklusion
Die Schweiz zählt zu den am meisten globalisierten Ländern der Welt und sie verfügt dank ihrer Offenheit gegenüber den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital über eine Leistungsfähigkeit, die durch die vorhandenen einheimischen Ressourcen an qualifizierten Arbeitskräften allein nicht aufrecht erhalten werden kann. Sie ist daher zwingend auf die Zuwanderung von gut ausgebildeten Arbeitskräften angewiesen.
Beat Altherr
Partner & Verwaltungsratspräsident
04.01.2010